Geliebtes Cabo Verde

SAL, die salzig-sandige

FOGO, die feurig-schwarze, unwirkliche

SAO VICENTE, die musikalisch-kulturelle


Brasilien, Rio de Janeiro mit seinem Zuckerhut, Recife, mit seinen Brücken, das Venedig Brasiliens, und dann das schwarze Salvador, das und nichts anderes ist es, dachte ich damals, Mitte 1980, was ich suchte und immer wieder besuchte in den kostbarsten Wochen des Jahres. Zuvor hatte ich unter anderem Nord-, Ost- und Westafrika bereist - nun war ich dem Weg der afrikanischen Sklaven bis zum Pelourinho (Prangersäule) gefolgt, ins afrikanische Herz der Stadt Salvador da Bahia.
Immer wieder überflog ich auf dem Weg dorthin verschiedene Inselgruppen im Atlantik, wie die Azoren, Madeira und Kanaren. Nach einem Tankstop, häufig auf der Kanareninsel Teneriffa, ging es dann weiter Richtung Brasilien. In Höhe der westafrikanischen Küste (Senegal) befindet sich allerdings noch eine weitere Inselgruppe, die ich etliche Male überflogen habe, ohne sie zu bemerken, sei es wegen schlechten Wetters, Nachtflug oder aber weil sie mir schlichtweg unbekannt waren.

Es war im September 1998, als ich sie bei guter Sicht entdeckte und einen neben mir sitzenden Reisenden um Auskunft bat, was dies dort für Inseln seien. Er, allem Anschein nach besser in Geographie bewandert als ich, gab fast etwas überheblich die Auskunft - natürlich die KAPVERDISCHEN INSELN.

Auf die Frage, zu welchem Land sie gehörten, kam die prompte Antwort - Portugal, was nach meinem heutigen Wissensstand nicht zutraf, da der Kolonialstatus 1951 nach fast 500 Jahren aufgelöst wurde. Die Kapverden wurden bis 1975 portugiesische Provinz und nach 16 Jahren Sozialismus gibt es seit 1991 eine demokratische Regierung und freie Wahlen. Amtssprache ist portugiesisch. Auf der Straße hingegen spricht man Kreol, eine Mischung aus überwiegend afrikanischen und portugiesischen Worten in leicht abgeänderter Form. Je nach Insel wurden durch äußere Einflüsse (Landbesetzer, Piraten, Siedler usw.) brasilianische, spanische, französische und englische Elemente hinzugefügt.

Portugiesisch wurde hier also gesprochen! Das war für mich sehr interessant, zumal ich durch meine diversen Brasilienaufenthalte diese Sprache inzwischen einigermaßen gut beherrschte. Wie immer, war auch diese Brasilienreise sehr schön und interessant aber der Kapverdische Archipel wollte mir nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Nur einige Tage nach meiner Rückkehr marschierte ich ins erstbeste Reisebüro und erkundigte mich nach dieser im Atlantik liegenden Inselgruppe. Große Augen und ein unterdrücktes Schulterzucken der Dame im Reisebüro waren die Antwort. Aber wozu gibt es heutzutage Computer? „Ach ja, da haben wir es ja“! Sogar ein last-minute- Angebot für 14 Tage im November 1998 .
Dort fliegt wahrscheinlich niemand hin, dachte ich mir, denn die Dame hatte bis dato nicht ein einziges Mal die Kapverden verkauft. Egal, und das stand für mich bereits fest, diese Inseln mußte ich mir unbedingt einmal ansehen. Abflugtermin war der 17.11.1998 ab Airport Frankfurt.
Gespannt wie nur was saß ich die ca. 6.5 Stunden Flug auf der Condor ab. Nach einer Zwischenlandung in Banjul/Gambia hielt der Flieger Kurs auf die Kapverden mit Zielflughafen SAL.

Was war denn das da unter mir? Ein total flaches Eiland, eine winzig kleine Sandwüste im großen Atlantik; kein Baum, kein Strauch weit und breit, nur eine kleine Ansammlung von Häusern. Ich hatte zwar eine gewisse Vorstellung, wie laut Reiseführer, den ich mir kurzfristig besorgt hatte, eine karge Insel auszusehen hat aber so farblos hatte ich sie mir nun doch nicht vorgestellt. Auf den ersten Blick war ich nicht unbedingt begeistert.

Die Landung erfolgte auf einem für dieses entlegene Eiland gut ausgebauten Flughafen.
Später erfuhr ich, daß dieser Flughafen bereits 1939 von den Italienern errichtet und um 1949 an die Portugiesen verkauft wurde, die ihn dann weiter ausbauten. Eine zweite, über 3000 m lange Landebahn wurde mit südafrikanischer Finanzhilfe gebaut, da die Kapverden im Gegensatz zu allen anderen afrikanischen Ländern die Zwischenlandung der Southafrican Airlines erlaubte. Modernste Radareinrichtungen machen Nachtlandungen möglich und auch Jumbos können auf der langen Piste landen. Air Portugal, Sabena, TAP, Cubana, Angola Air, Varig (Brasilien) und die russische Aeroflot nützen Sal als Zwischenlandeplatz.

Und in diesem gleichnamigen Hotel (inzwischen der Werbewirksamkeit wegen umbenannt von Aeroflot in Albatroz) wurde ich nun auch untergebracht. Hammer und Sichel thronten, selbst aus großer Entfernung unübersehbar, auf der Dachmitte. Jetzt verstand ich zunächst einmal gar nichts mehr. Auf einer Inselgruppe, auch Makaronesien genannt, die sich im südlichen Nordatlantik auf der Höhe Westafrikas befindet, südlich des Wendekreises des Krebses, portugiesisch sprechend, befindet sich ein russisches Hotel! Die Erklärung hierfür war denkbar einfach - hier wurde jahrelang die Crew der Aeroflot untergebracht, bevor man nach Südamerika weiter flog. Das gut geführte Mittelklassehotel entsprach europäischem Standard, nette saubere Zimmer mit Meerblick, Swimmingpool mit Poolbar, Tennisplatz, hübsche Gartenanlage mit tropischem Baumbestand. (Stand Dezember 2004 – sehr heruntergekommen – wurde von einem Hotelier der Kanaren gekauft und soll in den nächsten Monaten komplett renoviert werden)!

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Arne Lund
11.2.2005