Isländische Gesellschaft Icelandair übernimmt strategische Führung der TACV – Inlandsflüge jetzt durch Binter CV

Die seit vielen Jahren wirtschaftlich angeschlagene Fluggesellschaft Transportes Aéreos de Cabo Verde/Cabo Verde Airlines/TACV wird seit Mitte August 2017 für ein Jahr von der isländischen Gesellschaft Icelandair geführt. Offenbar wird das Geschäft über ihre Tochter Loftleiðir Icelandic abgewickelt.

Die Icelandair erhält dafür nach einem Bericht von Aero Telegraph 925.000 Euro. Aufgabe sei, als „strategischer Partner“ ein neues Geschäftsmodell und einen neuen Businessplan zu entwickeln. Dies habe Wirtschaftsminister José Gonçalves bei der Unterzeichnung des Vertrages erklärt. Auch sei geplant, die Langstreckenflotte der TACV auszubauen. Allem Anschein nach hat die MpD-Regierung in Praia große Ziele. Nach dem Bericht soll die derzeit noch aus einer Boeing 757 bestehende Flotte bis Ende des Jahres 2018 auf fünf Maschinen ausgebaut werden. In den folgenden Jahren sollen sechs Flugzeuge hinzukommen. Dies macht vermutlich nur dann Sinn, wenn Kap Verde zu einer Umsteigedestination für Passagiere und Fracht zwischen den Kontinenten ausgebaut wird. Ob ein solcher Hub allerdings eine Chance haben wird, muss derzeit bezweifelt werden.

Der Aeroporto International Amílcar Cabral auf Sal ist der Heimatflughafen der TACV. Von hier aus sowie von Praia und São Vicente wurden viele Jahre die Flüge nach Westafrika, Europa und Nordamerika abgewickelt. Ziele waren neben Lissabon und Porto unter anderem Bergamo, Madrid, Paris, Amsterdam und Boston. In den vergangenen Jahren war auch Fortaleza/Brasilien Ziel der Gesellschaft. Die Direktflüge nach Deutschland wurden bereits vor etwa zehn Jahren eingestellt. Im Inland flog TACV bisher alle Inseln außer Santo Antão  an. Dabei wurden zuletzt Maschinen vom Typ ATR 42 bzw. ATR 72 eingesetzt.

Die TACV ist eine privatisierte Aktiengesellschaft, die sich zu 100 Prozent in Staatsbesitz befindet. Bisher nicht bestätigt wurden Informationen, wonach die Kapverdische Regierung Icelandair gerne als Anteilseigner sehen würde. Geplant war schon zu Zeiten der PAICV-Regierung, 49 Prozent der Aktien an einen strategischen Partner zu verkaufen. Zuletzt soll die TACV Verluste in Höhe von umgerechnet etwa einer Million Euro pro Monat erlitten haben. Diese Zahl ist aber nicht zu verifizieren. Insgesamt soll TACV mit 109 Millionen Euro bei der Regierung verschuldet sein.

Insbesondere für Touristen ist die Einstellung der Inlandsflüge der TACV Ende Juli 2017 von Bedeutung. Diese wurden an die spanische Regionalfluggesellschaft Binter übertragen, die schon seit November 2017 auf den Routen Sal, Praia und São Vicente fliegt. In diesem Zeitraum seien mit zwei Maschinen 100.000 Passagiere befördert worden, hieß es. Binter hat ihren Sitz auf Gran Canaria und fliegt Kap Verde seit 2012 an. Jetzt ist offenbar der Einsatz weiterer Maschinen und die Ausdehnung nach Dakar/Senegal geplant. Seit Mai 2017 ist der Kapverdische Staat zu 49 Prozent an Binter CV beteiligt.

Gleichzeitig ist die Nachfrage der Tourismusinsdustrie weiterhin ungebrochen. Wie das Kapverdische Statistikinstitut im August 2017 mitteilte, stieg die Zahl der Gäste im ersten Halbjahr um 7,9 Prozent auf 348.600 an. Sie sorgten für 2,2 Millionen Übernachtungen. Dies entspricht einem Anstieg von 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten Gäste wurden auf Sal (45,7 Prozent), Boavista Island (32,2 Prozent) und Santiago (10,4 Prozent) registriert. Sie kamen aus Großbritannien (27,1 Prozent), Portugal (11,4 Prozent), Deutschland (9,9 Prozent) und den Niederlanden (8,3 Prozent). Sie dürften in der überwiegenden Mehrzahl mit Gesellschaften wie TAP Air Portugal und Tuifly nach Kap Verde reisen. Zudem kommen immer mehr Touristen aus der Volksrepublik China nach Kap Verde. Für die Zukunft werden bis zu 100.000 Besucher erwartet, erklärte kürzlich der Vizepräsident einer Organisation zur Unterstützung des internationalen Handels.

Die Kapverdische Regierung plant unterdessen auch die Privatisierung der Betreiberin der nationalen Flughäfen Aeroportos e Segurança Aérea (ASA), wie der Wirtschaftsdienst Macauhub berichtete. Die ASA ist für die Abwicklung der Flüge, die Sicherheit auf den Flughäfen sowie die Kontrolle des Luftraums verantwortlich.

Quellen:
aerotelegraph.com
flytacv.com
bintercanarias.com
binter.cv
dw.com
macauhub.com.mo
macauhub.com.mo
macauhub.com.mo
macauhub.com.mo
Reinhard Küchler
23.8.2017