Der Poilón bei Boa Entrada

Der Poilón bei Boa Entrada

Wohl jeder, der sich mit den Kapverden beschäftigt, hat schon vom Poilón, einem uralten Kapokbaum, und dem fruchtbaren Tal bei Boa Entrada, in dem er steht, gehört. 

Eben, weil ihn jeder kennt, diesmal keine Aufzählung von Grogue-Brennerei nebenan und schönen Gärten im Talgrund, sondern etwas Subjektives: Was gibt es Schöneres, als an einem sonnigen Tag mit Freunden, in diesem Falle mit Jailson und Adriano, hinunter zum Poilón zu wandern und dann in seinem Schatten zu verweilen und zu meditieren.

Bei meinem letzten Besuch gesellte sich überraschend ein Junge zu uns und kletterte hoch hinauf in den Gipfel, was nicht ganz ungefährlich ist, zumal wir in der Vergangenheit auch schon Nester von Wildbienen im Baum entdeckt hatten. Adriano meinte spontan, ich solle mal genau zuhören und forderte den Jungen auf, einen Stein in die Mitte des Baumes hinunter zu werfen. Die Mitte des Baummonsters ist nämlich wie ein Fass geöffnet und man kann (wenn man Mut beweist) auch bis ganz nach unten klettern. Und während der Regenzeit, die wir jetzt haben, läuft das Fass dann voll! Adriano sagte, dass er in der Vergangenheit schon mal selber ganz bis zum Grund geklettert sei, und dort eine eigentümlich Faszination vorherrschen würde. Dies ist aber nicht zur Nachahmung empfohlen (und garantiert nichts, was Touristen wissen oder gar tun sollten; aber als EKF-MitgliederInnen sind wir ja verschwiegen...) Jedenfalls warf der Junge einen Stein, und man hörte, wie der Stein unten ankam und ins Wasser plumpste. Unglaublich!

Jailson berichtete, dass, als Cabo Verde um 1460 durch die Portugiesen entdeckt wurde, dieser Baum schon da war. Historisch belegt! Jetzt kann jeder selber nachrechnen, wie alt er wohl sein wird. Ich habe jedenfalls großen Respekt vor diesem 'Wunderbaum'. Er ist der Größte der Kapverdischen Inseln.

Bei unserer Wanderung ging es nach dem Besuch beim Poilón jedenfalls stramm bergan zur Horta von Adriano. Dort sammelten wir Holz, machten ein Feuer und grillten Zuckermais. Ein Essen war das, traumhaft! Und dann, körperlich und geistig gestärkt, ging es den steilen Aufstieg hinauf bis zur Enacol-Tankstelle bei Nhagar ... und die Welt war schön.
Arne Lund
13.11.2014