Lura

Lura

(Auszüge aus einem Text von José Eduardo Agualusa)

Diese Stimme gehört zu denen, an die ich im Laufe der letzten Jahre am meisten geglaubt habe. Seit ich zum ersten Mal Nha Vida hörte habe ich jedem, der zuhören wollte, gesagt, dass die Zukunft der kapverdischen Musik bereits einen Namen hat: Lura

Manche Schatten leuchten mit einem eigenen Licht. Zum Beispiel die, die dieser Song heraufbeschwört. Eine sanft brennende Stimme, gleichzeitig süß und beißend, die uns mit Gründen zum Leben versorgt. Eine Stimme, die wir bei freudigen und bei traurigen Gelegenheiten hören wollen. Eine Stimme, die uns tröstet und uns hinreißt.

„Hört Euch Lura an,“ hab ich endlos wiederholt, sogar jenen Skeptikern gegenüber, die auf frühere Fehler in der Karriere der jungen Sängerin verwiesen. Nha Vida rettete das gleichnamige Album (ihr erstes), das an ihrem 21. Geburtstag, am 31. Juli 1996 erschien.
Im darauf folgenden Jahr wurde dieser Titel für die compilation „Red Hot + Lisbon“ ausgewählt. Luras außergewöhnliche Stimme erstrahlt hier mit dem betörenden Schein frisch polierten Metalls zwischen den Stimmen einiger der größten Sänger und Sängerinnen der weit verzweigten portugiesischsprachigen Welt: Marisa Monte, Caetano Veloso, Teresa Salgueiro, Filipa Pais, Djavan und Bonga.

2002 veröffentlichte Lura ihr zweites Album In Love bei Lusafrica. Sie hatte sieben der zwölf Titel des Albums selbst geschrieben: Obschon die Qualität dieser Songs nicht von einheitlichem Niveau war musste ich nur die letzten beiden Titel, Ma’n ba dês bêsb kumida dâ und Tabanka Assiga hören, um meine feste Überzeugung wieder zu gewinnen: Gib der Stimme dieser Frau einen Auftrag und sie wird zur Peitsche werden. Gib ihr Land und sie wird sich verwurzeln. Gib ihr Wurzeln und sie wird erblühen.

Luras neues Album Di Korpu ku Alma (Von Körper und Seele) erfüllt meine optimistischsten Vorhersagen. Die Zukunft ist angekommen. Bei der Gelegenheit sollte ich erwähnen, dass ich durchaus keine Schwierigkeiten hatte, Luras Zukunft zu prophezeien. Gewundert hat mich nur, warum niemand anderes sah, was heute so offensichtlich scheint.

Hört Euch Lura an. Sie ist eine der wenigen weiblichen Komponistinnen in der opulenten Welt der kreolischen Musik. Aus ihrer Feder stammt So um cartinha (Nur ein kleiner Brief). Darin macht sie sich über die typisch kapverdische Angewohnheit lustig, Freunde und Verwandte, die in Lissabon zu Besuch sind, darum zu bitten, doch einen Brief mit zurückzunehmen. Um ihnen dann voll gepackte Koffer in die Hand zu drücken. Neben dem emblematischen Nha Vida hat sie auch noch den schönen Titel Tem uma Hora pa Tude (Alles hat seine Zeit) geschrieben – inspiriert, wie sie sagt, von einer Tournee mit Cesaria Evora durch mehrere nordeuropäische Länder im Juni 2003.

Hört Euch Lura an. Und dann geht und seht sie Euch auf der Bühne an, wie sie sich mit Leib und Seele in ihre Kunst stürzt, pure kreolische Schönheit mit einer erstaunlichen Stimme. Obwohl sie selber sagt, dass ihre Bühnenerfahrung mit der Theatergruppe Plano Seis ihr sehr geholfen hat, bin ich immer noch davon überzeugt, dass ihr Talent, sich auf einer Bühne zu bewegen, angeboren ist. Es liegt vor allem an ihrer Leidenschaft und ihrer jugendlichen Energie und – natürlich – an der enormen Kraft ihrer wirklich einzigartigen Stimme. Es hat lange gedauert, bis sie dieses Geschenkt akzeptieren konnte. „Ich dachte, meine Stimme wäre schrecklich,“ sagt sie. „Ich habe mich sogar geschämt, Happy Birthday zu singen.“
1975 in Lissabon geboren entdeckte sie ihre kapverdische Identität erst, als sie mit Freunden in der Schule Kreolisch lernte. Heute ist sie stolz darauf, im tiefsten Kreolisch aus dem Herzen der Insel zu sprechen und ihre Lieder zu schreiben. Als Kind wollte sie Tänzerin werden. Dann wurde sie Schwimmlehrerin. Bis dann die Musik sie aus dem Wasser zog – sehr zur Freude von uns allen, die wir ihr heute zuhören können.

Als die Welt noch unendlich und rätselhaft schien schrieben nervöse Kartographen auf die äußersten Ränder ihrer Karten „Ab hier Drachen“. Und wenn ich in die Zukunft schaue, wie diese Kartographen auf die Welt schauten, kann ich auf Luras Karte zuversichtlich schreiben „Ab hier helles Licht: das Strahlen einer großen Sängerin“.

(Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung durch: musicas.de GmbH)

Konzerte

08.07.2005 Ludwigsburg, Schlossfestspiele
19.10.2005 Darmstadt, Centralstation
20.10.2005 München, Muffathalle/Ampere
21.10.2005 Karlsruhe, Tollhaus
23.10.2005 Hamburg, Fabrik
25.10.2005 Bonn, Harmonie

Mehr Infos:
luracriola.com
Arne Lund
31.5.2005